Pressemitteilungen 2019


Zeitungstexte stammen von der PNP - Passauer Neuen Presse

PNP 01.08.2019
Ehrenurkunde für Pferdegespanne

26 Rosserer werden für langjährige Teilnahme am Pichelsteiner-Festzug geehrt

Regen. Ein umfangreiches Programm hat Christian Loibl, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regen, zusammen mit dem Bayerischen Bauernverband für den Tag der Landwirtschaft am Pichelsteiner-Dienstag auf die Beine gestellt. Neben hochkarätigen Grußwortrednern wie MdB Alois Rainer und einem genauso kritisch wie motivierenden Vortrag des Landwirts Georg Mayerhofer, wurden außerdem die Absolventen in den Fachbereichen Land-, Forst- und Hauswirtschaft verabschiedet und der Wald-Wild-Preis an Alois Koller verliehen.
Ein weiterer Programmpunkt ist dieses Jahr zum ersten Mal in den Pichelsteiner Landwirtschaftstag aufgenommen worden: Die Rosserer, die mit ihren Pferdegespannen den Pichelsteiner-Festzug bereichern, wurden für ihr langjähriges Engagement geehrt.

Rund 80 Pferde waren beim diesjährigen Pichelsteiner-Zug am Sonntag im Einsatz, erzählte Pichelsteiner-Präsident Walter Fritz in seinem Grußwort. Etwa 25 Wägen haben die Tiere gezogen, außerdem waren beim dem ein Kilometer langen Umzug etwa 35 Fußgruppen, 12 Musikgruppen und rund 1000 Teilnehmer dabei.
Insgesamt 26 Pferdehalter wurden am Dienstag für ihre langjährige Teilname mit ihren Pferdespannen an dem Pichelsteiner-Festzug geehrt. Von Max Pletl wurden sie auf die Bühne gerufen, wo sie eine Urkunde empfingen und beglückwünscht wurden.
Die erste Ehrenurkunde erhielt der Pferdebesitzer Ludwig Sebald aus Regen für seine 15-jährige Teilnahme.
Franz Kreuzer aus Rinchnach, Martin Pauli aus Böbrach und Josef Weiß aus Regen bereichern die heimischen Umzüge seit 20 Jahren mit ihren Pferdegespannen.
Seit 25 Jahren mit dabei sind Hans Zitzler aus Regen und Hans Bartl, Ferdinand Marchl und Hans Pönn aus Rinchnach.
Für ihre 30-jährige Teilnahme wurden geehrt: die Rosserer Fred Ernst, Rudolf Hackl, Rudolf Hoidn und Ernst Pfeffer aus Regen, Hans Hollmayr aus Teisnach, Max Genosko aus Langdorf und Gunther Schopf aus Rinchnach.
Egon Probst aus Drachselsried begleitet mit seinen Pferden seit 35 Jahren die lokalen Festzüge.
Für die 40-jährige Teilnahme am Pichelsteiner-Zug nahmen Josef Boxhorn aus Böbrach und Karl Krotzer aus Mietraching die Ehrenurkunde entgegen.
Schon ein halbes Jahrhundert ziehen folgende vier Pferdehalterfamilien mit Gespannen mit: Jakob Hackl aus Zachenberg, Gutshof Falter aus Regen, Josef Fuchs aus Rinchnach und Michael Rankl aus Zwiesel wurden für ihre 50-jährige Teilnahme geehrt.
Eine Urkunde erhielt auch Alois Marchl aus Rinchnach – seit 60 Jahren sitzt seine Familie bereits auf dem Wagen. Für ganze 70 Jahre Engagement wurden die Brauerei Falter aus Regen, Heinz König aus Rinchnach und Josef Pletl aus Regen mit einer Ehrenurkunde bedacht.


PNP 01.08.2019
Freude über die Festschmankerl

Rekordverdächtiger Besuch bei der Seniorenbewirtung auf dem Pichelsteinerfest

Regen. "Heute schüttele ich so viele Hände wie sonst nie", sagt Matthias Schricker, evangelischer Pfarrer in Regen. Und er bekommt auch sonst nie so viel Dank wie an diesem Pichelsteiner-Dienstag. Das hängt mit dem zusammen, war er da in der Festhalle verteilt: Schokolade, und er begrüßt die Gäste in der Halle. "Es ist wunderbar zu sehen, wie sich die Leute freuen", sagt Schricker. Die Schokolade ist die Dreingabe der evangelischen und katholischen Gemeinde bei der Seniorenbewirtung des Pichelsteinerfests.
Es war so gegen halb elf, als sich die ersten anstellten vor dem Tisch, hinter dem die Pichelsteiner Willy Schicker und Helmuth Pfeffer saßen. Ausgerüstet mit den begehrten Marken. Eine Maß Festbier, aufgeteilt auf zwei Halbe-Marke gab es für jeden Besucher, der schon im siebten Lebensjahrzehnt ist. "Gickerl oder zwoa Paar Bratwürscht?", war dann die entscheidende Frage von Schicker und Pfeffer. Die Pichelsteiner, die Stadt und die Brauerei teilen sich die Kosten der Senioren-Bewirtung.

Als Helmuth Pfeffer gestern Nachmittag die Abrechnung machte, staunte er: 895 Senioren waren bewirtet worden, über 100 mehr als im vergangenen Jahr. Für die Bewohner des Altenheims, die nicht mehr so mobil sind, wurde die Festbrotzeit zum Grubhügel gefahren. Auch dort schmeckte es. Allerdings mussten dort die Feiernden auf die musikalische Beilage verzichten, die von der Hirmonblosn aus Bischofsmais kam.


PNP 01.08.2019
Die Wiege des Festes

Im "Hof" wurde 1874 das Pichelsteinerfest begründet

Regen. Vom Kloster Niederaltaich und seiner Propstei Rinchnach aus wurde Regen in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegründet. Bald danach entstanden zwei Höfe, wie damals große Landwirtschaften genannt wurden. Der eine Hof befand sich bei der Kirche und war der Pfarr-Hof, der andere stand gegenüber an der rechten Bachseite. Um diesen Hof soll es hier gehen, denn er war in enger Weise mit der Geschichte Regens verbunden. Und auch mit der Geschichte des Pichelsteinerfestes.
Regen war zwar in der Gründungszeit nur ein kleines Dorf, aber es war ungeachtet dessen Seelsorgemittelpunkt des großen Gebiets, dessen Schenkung zum Zweck der Rodung der Mönch Gunther 1029 bei Kaiser Konrad II. erreicht hatte. Die zentrale kirchliche Bedeutung förderte mit zunehmender Besiedlung auch die wirtschaftliche Entwicklung des jungen Orts.

Herzog Heinrich I. tauscht den "Hof" vom Kloster Niederaltaich ein
Neben der klösterlichen Grundherrschaft verkörperten die Grafen von Bogen die weltliche Macht. Sie hatten ihren regionalen Sitz in Weißenstein, in Regen aber wegen des klösterlichen Grundeigentums keinen nachweisbaren Besitz. Als sie 1242 ausstarben, übernahmen die Wittelsbacher die Erbschaft und Herrschaft. Der für Niederbayern zuständige Herzog Heinrich I. (1253/55–1290) wollte die Entwicklung des Ortes Regens weiter fördern.

Dazu aber war notwendig, dass er über die herzoglichen Rechte hinaus auch Grundherr von Regen wurde. Dies gelang ihm im Jahr 1270 durch ein Tauschgeschäft mit dem Niederaltaicher Abt Hermann.
Damals gingen zwei kleine Dörfer am Rand von Regen und vor allem der "Hof" mit seinen Lehen auf ihn über. Bereits im herzoglichen Urbar aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts wurde Regen sowohl Markt als auch Amt genannt, womit das dem Markt verliehene Schergenamt gemeint war. Bei der anschließenden Neuaufteilung der Lehen verlor der "Hof" zwar seinen dominierenden Status, behielt aber immer noch eine beachtliche Größe.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ging der "Hof" auf die seit 1308 auf Weißenstein residierenden Degenberger über, die in Regen Fuß fassen wollten. Sie erwarben für das Anwesen das Recht, eine Gastwirtschaft zu betreiben, die so die "Hofwirtschaft" wurde. Nach dem Aussterben der Herren von Degenberg Anfang des 17. Jahrhunderts übernahmen die Wittelsbacher auch hier die Erbschaft. Vermutlich gehörte der "Hof" damals aber nicht mehr zur Erbmasse des Degenbergischen Besitzes, denn die noch existierenden Unterlagen weisen für ihn bereits ab 1607 Privatbesitzer aus. Dennoch behielt er eine Sonderstellung, denn er gehörte trotz seiner zentralen Lage im Ort bis zum Jahr 1808 nicht zum Markt Regen, sondern zu Weißenstein.
Aus dem "Hofwirt" wird der Gasthof Post – und dann die VR-Geno-Bank
Eine weitere markante Station in der Geschichte des Gebäudes und auch von Regen war das Jahr 1874, als beim Hofwirt das Pichelsteinerfest begründet wurde. Die Feste der ersten Phase wurden hier abgehalten. Anfang der 1890er Jahre erhielt das Haus eine wichtige Funktion, denn damals wurde dort in einem Nebenzimmer die Poststelle eingerichtet und im Hintergebäude der Poststall für die Postpferde, die Gespanne der Postkutschen. Dies blieb so, bis in den frühen 1920er Jahren das neue Postamt an der Kreuzung Bahnhofstraße/Zwieseler Straße seinen Betrieb aufnahm und die Postkutschen bereits durch die Post-Omnibusse ersetzt worden waren. An die frühere postalische Funktion erinnerte aber weiter der Name "Gasthof zur Post" bzw. später "Hotel Post". Das schon recht marode Anwesen wurde 1994 abgerissen, und an seiner Stelle entstand ein stattliches Bankgebäude.


PNP 31.07.2019
Auf dem Pichelsteinerfest kommt alles Gute von oben

Regen. Die Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr hat immer am Pichelsteinerdienstag den beliebtesten Einsatz des Jahres. Das High-Tech-Gefährt dient als Abwurframpe für begehrte Zuckerl und Gummibärle, für noch begehrtere Plüschtiere und für die begehrtesten Freifahrt-Markerl. Christine Limböck und Alois Kreuzer vom Pichelsteinerkomitee bringen die Wurfartikel unter das junge Volk auf dem Festplatz. "Bonbon-Regen" heißt dieser Programmpunkt im Pichelsteiner-Programmheft.
Dass sich unter das junge Publikum unter dem Drehleiter-Korb auch etliche Pichelsteiner-Fans befinden, die das Kindesalter schon ein paar Jahre hinter sich gelassen haben, schmälert die Chancen der Zielgruppe ein wenig. Aber zum Trost gab’s danach eine Karussellrunde bei reduzierten Ticket-Preisen beim Kindernachmittag.

PNP 31.07.2019
Fast-Ruheständler und Hoffnungsträger stoßen an

Regen. Nicht nur für Regens Bürgermeisterin Ilse Oswald schwang etwas Abschiedsstimmung mit am Tag der Nachbarschaft auf dem Pichelsteinerfest. Für sie war es das letzte Mal in ihrer Amtszeit, dass sie die Bürgermeister-Kollegen aus (fast) dem ganzen Landkreis in der Pichelsteinerhalle zum Zuprosten um sich versammeln durfte. Und viele ihrer Amtskollegen können künftig ebenfalls ganz privat zum großen Regener Heimatfest kommen, so etwa Hermann Brandl aus Arnbruck oder Alois Wenig aus Kirchberg. "Ich geh heuer noch zur Auerer Kirwa und zur Kirchdorfer Kirwa", rechnete Michael Schaller aus Rinchnach vor, dann war’s das für ihn mit den offiziellen Festbesuchen. Dafür brachte sich am Montag schon mal der eine oder andere potenzielle Kandidat fürs Pichelsteinerfest 2020 in Position.

PNP 31.07.2019
Landwirte als Botschafter

Beim Tag der Landwirtschaft auf dem Pichelsteinerfest ging es um Dialog und Kommunikation

Regen. "Ohne sie gäbe es weder den Käse auf dem Tisch noch die Brezen, geschweige denn volle Regale im Supermarkt", sagt Christian Loibl, Leiter des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Regen in seinem Begrüßungswort. Die Rede ist von den Bauern aus der Region, denen der traditionelle Tag der Landwirtschaft am Pichelsteiner-Dienstag gewidmet ist.
Dieses Jahr ging es bei der Zusammenkunft der regionalen Landwirte vor allem um das Gefühl, missverstanden zu werden, um Dialog und Lösungsansätze. Denn, und darin sind sich alle Redner des Landwirtschaftstages einig, von der Gesellschaft bekommen die Landwirte zu wenig Wertschätzung entgegen gebracht, ihre Leistung wird als Selbstverständlichkeit wahrgenommen.
Als Referent für den Festvortrag wurde in diesem Jahr Georg Mayerhofer geladen. Er ist selbst in der Landwirtschaft tätig, wurde 2017 zum Landwirt des Jahres gekürt. Mit einem Online-Blog versucht er als Vermittler zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft zu agieren und sucht stets den Dialog.

Kritisch war sein Vortrag, in dem er zuerst hinterfragte, warum es Botschafter in der Landwirtschaft braucht. Der Ruf der Landwirte sei schlecht, zum einen wegen mangelhafter Medienberichterstattung, aber auch auf Grund von plakativen Slogans von NGOs, wie zum Beispiel "Gemeinsam aktiv gegen Ackergift." Entschlossen sagt er: "Ich glaube, wir werden zu stark in Schubladen gesteckt" und "Landwirte haben vielleicht sogar den wichtigsten Beruf der Welt."
Ihm ist aber ebenfalls wichtig, das macht er in seinem Vortrag deutlich, dass Landwirte auch Botschafter bleiben sollen. Genauso kritisch hinterfragt er nämlich, was die Landwirtschaft selbst tun kann, um die angespannte Situation zum Positiven zu verändern. In vier Punkten fasst er seine Vorschläge zusammen: den Mut haben, Veränderungen zuzulassen; die Zukunft in der Landwirtschaft aktiv mitgestalten; maximale Transparenz bei Arbeitsabläufen gegenüber der Gesellschaft zeigen und Unterstützung für regionale und nachhaltige Wirtschaftsweisen bei Politik und Gesellschaft fordern.

Er selbst versuche eine Art "Landwirtschaft-Influencer" zu sein und mit seinem Online-Blog zu vermitteln. Aber um Brücken zu bauen, braucht es nicht zwingend Internet, "man muss einfach miteinander sprechen."
An den Vortrag, der die Gäste zu zustimmendem Applaus bewegte, schloss sich die Verabschiedung der diesjährigen Absolventen in den Fachbereichen Land-, Forst- und Hauswirtschaft an. Insgesamt 41 Absolventen wurden heuer in den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau in den sogenannten "Grünen Berufen" und in der Hauswirtschaft ausgebildet.

Geehrt wurden heuer zum ersten Mal außerdem die Pferdebesitzer, die Jahr für Jahr mit ihren Gespannen unter anderem beim Pichelsteinerfestzug zum Einsatz kommen. Über 80 Pferde zogen dieses Jahr insgesamt 25 Wägen, bei dem ein Kilometer langen Zug waren außerdem etwa 35 Gruppen und rund 1000 Teilnehmer dabei, wie Pichelsteiner-Präsident Walter Fritz zusammenfasste. Insgesamt 26 Rosserer, die zwischen 15 und 70 Jahre lang mit ihrem Pferdegespann in den heimischen Umzügen mitzogen, kamen nacheinander auf die Bühne, um ihre Ehrenurkunden entgegenzunehmen.


PNP 30.07.2019
Der Prinz und sein Pichelsteiner

Seit vielen Jahren kocht Festkoch Günther Prinz den berühmten Pichelsteiner-Eintopf

Regen. Der Moment der Wahrheit ist gekommen. Nach vielen Stunden schnibbeln, schleppen und rühren ist es fertig, das berühmte Pichelsteiner vom Festkoch Günther Prinz. Er ist zufrieden damit, aber eine Härteprüfung muss der Eintopf noch bestehen: Die Festwirtin Elisabeth Falter muss probieren und ihre Zustimmung geben. Günther Prinz taucht den großen Kochlöffel, der aussieht wie ein Paddel, in den riesigen Kessel und gibt etwas von dem Eintopf auf Elisabeth Falters Teller. Vorsichtig schlürft sie die Soße vom kleinen Unterteller, dabei beobachtet Prinz gespannt ihr Gesicht. Nach einem kurzen Moment streckt sie den Daumen nach oben und sagt: "Sehr gut!" Erleichtert lacht der Koch, die beiden umarmen sich.
Ein Topf so groß wie eine Badewanne
Zwei Tage vorher: Günther Prinz steht mit Koch Ernst Fuchs und vier Helferinnen in der großen Küche über dem Biergarten. Das Gemüse haben sie bereits am Tag vorbereitet, heute müssen die Kartoffeln geschnitten werden. Das Schälen übernimmt eine Maschine, "unser größter Mitarbeiter", sagt Prinz. Das Nachputzen und Würfeln müssen die sechs per Hand erledigen – 18 Kartoffelsäcke, jeder 25 Kilogramm schwer, liegen vor ihnen. Die Handgriffe sind geübt: Einmal längs aufgeschnitten, danach in etwa zwei Zentimeter große Würfel, dann ab damit vom Schneidebrett in die rote Kiste, in der kaltes Wasser schwappt. Bis Montag bleiben die Kartoffeln darin frisch. Oben drauf kommt noch ein laminierter Zettel, auf dem steht, in welchen Topf die Kiste soll. "Damit wir mit den Mengen nicht durcheinander kommen", erklärt Prinz.

Auf der einen Seite der Küche stehen drei riesige Kessel – jeweils 300 Liter passen hinein. Auf der gegenüberliegenden Seite thront ein Edelstahltopf, Volumen 400 Liter. Mit seiner rechteckigen Form ähnelt er mehr einer Badewanne mit Deckel als einem Kochtopf. In der Küche darüber gibt es noch einmal vier Töpfe, in denen jeweils 100 Liter Platz haben – alle Riesentöpfe sind im Einsatz für das große Eintopf-Essen am Pichelsteiner Montag.

Die Mengen, die dafür benötigt werden, sind für einen Laien kaum vorstellbar und sollen für 3000 Portionen reichen. Für einen einzigen 100-Liter-Topf benötigen die Köche neben einem Sack Kartoffeln sechs Kilo Sellerie, zehn Kilo Lauch, jeweils 12,5 Kilo Karotten und Zwiebeln, jeweils zehn Kilo Rind- und Schweinefleisch und fünf Kilo Kalbfleisch. In die runden Kessel kommt die dreifache Menge, in die Badewanne die vierfache. Alle Zutaten müssen topffertig bereitstehen – viel Arbeit, die die zehn Beteiligten. "Es ist schon sehr anstrengend, aber wir arbeiten gut zusammen. Es ist wie ein Zahnrad, das in das andere greift", erzählt Co-Küchenchef Erich Fuchs.

Schon seit zwölf Jahren kocht er den Pichelsteiner-Eintopf an der Seite von Günther Prinz. Zum ersten Mal hilft dieses Jahr Gerhard Pommer beim Kochen. Prinz selbst ist seit 2002 der offizielle Festkoch, davor war er vier oder fünf Jahre lang als Hilfskoch dabei. Ausreichend Erfahrung hat er also bereits gesammelt, doch auch nach so vielen Jahren kann er die Nervosität vor dem großen Pichelsteiner-Montag nicht ganz unterdrücken. "Bis am Montag die Töpfe alle funktionieren und der Eintopf angesetzt ist, bin ich am Zittern", sagt der 57-Jährige.

Kontakt durchWalkie-Talkies
Am Montag beginnt der Tag für die drei Köche schon um sechs Uhr früh. Jeder kennt seinen Posten: Erich Fuchs bereitet den Eintopf in den vier 100-Liter-Töpfen in der oberen Küche zu, Günther Prinz und sein Hilfskoch Gerhard Pommer übernehmen das Pichelsteiner-Kochen in der unteren Küche, in der sich die großen Kessel und der Badewannen-Topf befinden. Eine direkte Verbindung zwischen den beiden Küchen gibt es nur durch den Lastenaufzug und Walkie-Talkies. "Der Erich hat sich das vor ein paar Jahren mal ausgedacht, dann müss‘ ma ned immer so rumplärrn", erzählt Prinz. Wichtig ist der ständige Kontakt, weil die beiden abklären müssen, wann welcher Arbeitsschritt getan werden muss. Nur so kann der Eintopf in den verschiedenen Töpfen gleich schmecken.

Als erstes werden die vorbereiteten Zutaten in den roten Plastikboxen vom Kühlraum in die Küche gebracht, das geschieht mit einem Gabelstapler, der die Paletten durch ein bodentiefes Fenster reicht. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich der Raum mit den Lebensmittelkisten, so dass sich Günther Prinz und Gerhard Pommer durch die Stapel schlängeln müssen.
Kaum ist das erledigt, kann das Kochen beginnen – einer der spannendsten Momente für den Festkoch, denn nun zeigt sich, ob die Töpfe wirklich alle funktionieren. "In einem Jahr ist der Dampf bei einem der Töpfe ausgefallen", erzählt Günther Prinz. Mit vollem Dampf hat der Festkoch versucht, den Kessel anzufeuern. Nach einer Stunde sprang er schließlich an.
"Der ist Koch mit Leidenschaft"
Dieses Jahr scheint zunächst alles gut zu laufen. Um sieben Uhr sind die Töpfe eingeschaltet und die Zwiebeln am anbraten. Doch dann: "Der Druck ist nicht hoch genug", sagt Prinz. Ein wenig besorgt eilt er durch die Küche nach draußen, um Hilfe zu holen. Und tatsächlich steigt nach einigen Minuten der Druck in den Kesseln wieder an – es kann weitergehen.
Die beiden geben das Rindfleisch hinzu und lassen es kurz anbraten. Dann gießen sie auf, mit Wasser aus einem blauen Schlauch, denn mit Eimern würde es zu lange dauern. Als das getan ist, bekommt Prinz seine erste Verschnaufpause. "Genau wie ich‘s gesagt habe – jetzt bin ich entspannt!", sagt er und lacht.
Auf das Rindfleisch folgen Schweine- und Kalbfleisch, etwa eine Stunde später die Kartoffeln, dann die Karotten und zum Schluss der Lauch. Dazwischen gießen die beiden auf und Günther Prinz würzt jede Schicht mit Pfeffer, einer geheimen Gewürzmischung und besonders viel Paprika. "Den mag die Chefin gern", sagt er und grinst. Zum Schluss streut Prinz eine große Portion frisch gehackte Petersilie in jeden Topf – und strahlt erleichtert über das ganze Gesicht: der Pichelsteiner-Eintopf ist endlich fertig.
Und das Resultat schmeckt der Chefin auch dieses Jahr wieder ausgezeichnet. "Der ist Koch mit Leidenschaft", sagt Elisabeth Falter, als sie kurz vor dem großen Festessen am Montagmittag zum letzten Mal probiert. "In das Pichelsteiner steckt er sein ganzes Herzblut."


PNP 30.07.2019
Minister und Dehoga-Chefin in Harmonie

Aiwanger und Inselkammer sprachen beim Tag der Wirtschaft auf dem Pichelsteinerfest

Regen. Zwei Referenten, ein Thema: "Motor im Bayerischen Wald – Gastronomie, Hotellerie, Tourismus" hatten die Pichelsteiner den diesjährigen Tag der Wirtschaft am Pichelsteiner-Montag übertitelt. Und dafür als Redner nicht nur den bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gewonnen, sondern auch noch Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes.
Dem Reporter wird vom persönlichen Referenten kurz vor Redebeginn ein Manuskript übergeben – das gibt’s bei manchen Staatsministern, bei Aiwanger nicht. Schlicht deshalb, weil er ohne Skript aufs Podium steigt. Aiwanger spricht frei. Souverän und zupackend, allerdings kann es da schon mal passieren, dass besagter Staatsminister a. D. als "Manfred Brunner" begrüßt wird.

Kontrolle ja, aber nicht zu streng
Aiwanger hat die Zuhörer schnell auf seiner Seite mit der Forderung, die Mehrwertsteuer für die Gastronomie müsse von 19 auf sieben Prozent gesenkt werden. Überhaupt müsse das Klima wieder unternehmerfreundlicher werden in Deutschland – mit 30 Prozent bei den Unternehmenssteuern sei man an der Spitze in Europa. Ebenso habe man die striktesten Betriebskontrollen in ganz Europa, er habe jetzt ein Online-Portal beim Wirtschaftsministerium eingerichtet, wo sich Wirte über Gängelungen beschweren können. "Wir brauchen Kontrollen" meinte Aiwanger angesichts des Tierwohl-Skandals von Bad Grönenbach, "aber man darf Betriebe nicht kaputtkontrol-lieren."

Und im Sinne des florierenden Tourismus müsse auch mal ein Hotelbau im Außenbereich möglich sein. "Innen statt außen" sei eine lobenswerte Strategie, aber ganz auf Null lasse sich der Flächenverbrauch nicht setzen, "da würgen wir die Entwicklung ab."
Bei aller Kritik an Skipisten-Beschneiung stehe er dazu, stellt der Minister klar: "Mir ist es lieber, wir fördern Schneekanonen bei uns, als dass die Skifahrer bei Schneemangel nach Österreich oder nach Tschechien fahren – da ist für die Umwelt nichts gewonnen." Konkreter wird Aiwanger im Bezug auf das Rede-Motto nicht – dafür streift er großzügig die Themen der Zeit: die Borkenkäfer-Bekämpfung in den Nationalpark-Randzonen und die Bedeutung von gepflegten Wäldern und Wiesen für den Tourismus, das argentinische Rindfleisch auf so mancher bayerischen Speisekarte, die Gesundheits-Infrastruktur auf dem Land, die Wasserstoff-Technologie als Alternative zum Elektroauto und den Brexit ("Irrsinn").
Gastronomie prägt das Gesicht Bayerns
Angela Inselkammer stellt zunächst die wirtschaftliche Bedeutung der Hotel- und Gaststätten-Branche heraus: "Wir sind die Botschafter Bayerns gegenüber den Gästen von auswärts", sagt sie. Und ebenso sei die Branche "systemrelevant", bei 450000 Beschäftigten in Bayern hänge jeder 13. Arbeitsplatz von der Dehoga-Branche ab. "Wir sind Lebensqualität, das schätzen auch immer mehr alle anderen Branchen und deren Mitarbeiter – wir machen Bayern attraktiv", sagt die Senior-Chefin des Brauerei-Gasthofes Aying südlich von München.
Ebenso klar lässt sie auch die Forderungen des Verbandes hören: Das Arbeitszeitgesetz müsse flexibler werden, die Mehrwertsteuer müsse sinken, die uferlosen Dokumentationspflichten müssten reduziert werden, gegenüber Neuerungen wie AirB’n’B müsse Chancengleichheit geschaffen werden.
Zuvor hatte Pichelsteiner-Präsident Walter Fritz die Gäste begrüßt, unter ihnen stark vertreten die Vertreter von Firmen und Hotels aus der Region. Aber auch die Politik gab dem Gast aus der Staatsregierung die Ehre: Gekommen waren nicht nur FW-Abgeordneter Manfred Eibl und FW-Bezirksschef Heinrich Schmidt, sondern auch die MdL Max Gibis (CSU), Christian Flisek (SPD) und Alexander Muthmann (FDP), MdB Alois Rainer und dessen Vorgänger Ernst Hinsken sowie MdB Erhard Grundl (Grüne).
In ihrem Grußwort hatte Bürgermeisterin Ilse Oswald den auswärtigen Zuhörern das Pichelsteinerfest enthusiastisch ans Herz gelegt. Und ihrem Parteifreund Hubert Aiwanger für die Ehre seines Besuchs gedankt, ein Jahr nach dem Ministerpräsidenten Söder. Landrätin Rita Röhrl zeichnete von ihrem Landkreis ein positives Bild angesichts vieler erfolgreicher Firmen, "hidden champions" und weit unter drei Prozent Arbeitslosenquote. Den unbefriedigenden Zustand des Mobilfunknetzes musste sie dem Wirtschaftsminister aber schon hinreiben, und sie forderte bessere Förderung von ÖPNV-Einrichtung auch bei geringeren Fahrgastzahlen.


PNP 29.07.2019
Zauberhafte Farbenspiele auf dem Regenfluss

13 schwimmende Bilder waren am Samstagabend bei der Gondelfahrt des Pichelsteinerfestes zu bewundern

Regen. Mit dem Motto der diesjährigen Gondelfahrt auf dem Pichelsteinerfest hatten die Macher nicht zu viel versprochen. "Romantische Gondeln" bekamen die Zuschauer wahrlich zu sehen – je stärker es dämmerte am Samstagabend, desto schöner kamen die effektvoll beleuchteten Boots-Aufbauten auf dem spiegelglatten Regenfluss zur Geltung. Ein gutes Dutzend von ihnen wurde in gravitätischem Tempo an den Zuschauern vorbeigerudert, die dichtgedrängt auf der Regenpromenade und auf der Sparkasseninsel standen.
Abgesehen von der Romantik hatte die Gondler-Truppe der Pichelsteiner heuer das Motto offen gelassen, und so gab es für die erfahreneren Zuschauer das eine oder andere Wiedersehen mit den schönsten Aufbauten aus den vergangenen Jahren. So etwa mit dem feuerspeienden Pfahldrachen, mit der Waldbahn-Dampflok inklusive Tunnel-Baustelle oder einem Doppeldecker-Flieger, aus dem bedenklicher Rauch aufstieg.

Die Familie Falter um Bräu Sepp Falter durfte sich ganz gemütlich am Wirtshaus-Tisch sitzend über den Fluss rudern lassen, ebenso einige kleine Pichelsteinerköche und ein großer Pichelsteiner-Festkoch Günther Prinz. Fast so beeindruckend lang wie der echte Brauerei-Zehnerzug war das auf mehreren Booten platzierte Abbild. Die Gondler hatten allerdings, weil sie bei Nacht einfach besser zur Geltung kommen, statt der echten pechschwarzen Percheron-Rösser aus dem Falter-Stall zehn schneeweiße Rösser eingespannt.

Viel Raum nahm bei dieser Gondelfahrt die Sehnsucht des Waidlers nach der hohen See ein. Nämlich in detailgetreu gebauten Großmodellen zweier Segelschiffe, der "Bounty" und der schneeweißen "Gorch Fock", und in einem mit Seeleuten besetzten Dampfer. "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise" war darauf zu lesen, und die Musikregie spielte dazu passende schmachtende Lieder von der Waterkant ein. Günther Arend von den Pichelsteinern erläuterte den Zuschauern per Lautsprecheranlage die Hintergründe zu den einzelnen Gondeln.

Auch eine Waldbahn-Dampflok kann schwimmen. Mit auf der Gondel zu sehen war eine der Tunnel-Baustellen beim Waldbahn-Bau. Die farbig beleuchteten Wasserspiele im Fluss machen das magische Bild komplett.
Den Schlusspunkt und sicherlich auch einen der Höhepunkte setzte der Pfahldrache, der die Burgruine Weißenstein auf seinem Rücken trägt und immer wieder einen Feuerstrahl aus seinen Nüstern zischen lässt.


PNP 29.07.2019
Schmucke Rösser, schneidige Märsche

Bestens besuchte Pichelsteiner-Serenade des Blasorchesters der Stadt Regen

Regen. Der Ausruf einer Trachtlerin im gestrigen Pichelsteiner-Festzug kam am Stadtplatz ganz spontan. "Ja, solche Massen!" entfuhr es ihr angesichts der unzähligen Menschen, am Platz und auch von der Rathausauffahrt herunter das Spektakel mitverfolgten. Da war die Frau schon die komplette Zugstrecke zwischen der Zwieseler Straße und dem Stadtplatz abmarschiert, und auch dort war kaum mehr irgendwo ein freier Fleck am Straßenrand zu entdecken. Eine (nicht repräsentative) Umfrage bei Feuerwehrlern und Polizisten bestätigt den Eindruck: Der Zuschauer-Andrang war enorm beim diesjährigen Festzug.
Der Zug konnte aber auch gut dagegenhalten. 25 Wägen und drei Kutschen hatten die Pichelsteiner heuer aufgeboten, dazu kamen noch 35 Fußgruppen, zehn Blaskapellen und zwei Spielmannszüge. Entsprechend eindrucksvoll war das Aufgebot an prächtig herausgeputzten und aufgezäumten Pferden in Zweier- und Vierergespannen. Der Spannungs-Höhepunkt kam wie gewohnt ganz zum Schluss mit den zehn schwarzen Kaltblütern der Brauerei Falter, die Thomas Falter mit einem ganzen Bündel voller Zügel durch die 360-Grad-Wendung am Stadtplatz dirigierte.

Das diesjährige Festzugs-Motto, "Persönlichkeiten unserer Heimat", hatten die Pichelsteiner mit einer ganzen Reihe von Motivwägen umgesetzt, die große Porträts von Männern und Frauen aus der Regener Geschichte zeigten. Bürgermeister Alois Reitbauer, Siegfried von Vegesack, die "Krippen-Mutter" Maria Pscheidl-Krystek und Firmengründer Josef Rodenstock waren ebenso vertreten wie Auguste Winkler, die Pichelsteiner-Erfinderin und Brauerei-Gründer Johann Baptist Falter. Josef Heichele, der erste Kommandeur der Bundeswehr in Regen, Regens Stadt-Chronist Pfarrer Gotthard Oswald, Domkapitular Eduard Pletl als Mitbegründer des Osterrittes und Anton Lingl, der das Regener Heimatlied komponiert hat.

"Er schmeckt guad!": Die kleinen Köche machen beim Festzug schon mal stimmgewaltig Werbung für den kulinarischen Höhepunkt des Pichelsteinerfestes am heutigen Montag, das große Eintopf-Essen.
Traditionsgemäß dürfen sich im Festzug stets die Vereine der Stadt besonders präsentieren, die ein Jubiläum zu feiern haben. In diesem Jahr waren das der Reitclub Kattersdorf, der 50 Jahre alt ist, und der Isidor-Bauernverein, der sein 300-jähriges Bestehen gefeiert hat. Und gewissermaßen in einer eigenen Liga waren die Nachbarn aus Rinchnach mit zwei Wägen dabei, die bekanntlich heuer das 1000-jährige Bestehen der dortigen Kirche mit einem großen Festzug gefeiert haben. Der selige Gunther geht sowieso als Persönlichkeit durch, die auch für Regen von größter Bedeutung war.

Noch weiter angereist war die Delegation aus der Partnerstadt Eschwege, die im Festzug mitging. Und zwar zum Takt des Spielmannszuges Werratal aus Eschwege, der mit seiner Kombination aus preußisch-zackig-militärischer Haltung und rassigen Sambarhythmen seit vielen Jahren eine tragende Säule des Pichelsteiner-Festzugs ist.

Die Lokalmatadoren vom Regener Spielmannszug und von der Stadtkapelle Regen hatten noch weitere musikalische Verstärkung für den langen Festzug ins Boot geholt: Den Musikzug Ruhmannsfelden, die Waldvereins-Kapelle Langdorf, die Gruppe "Brass-Banda", den Musikverein Kirchdorf, die Blaskapelle Kirchberg, die Hirmo-Blosn, die Marktkapelle Schönberg und die Bodenmaiser Knappschaftskapelle. Bürgermeisterin Ilse Oswald ging zusammen mit dem Stadtrat zu Fuß mit, während die politischen Ehrengäste in einer der drei Kutschen fahren durften: Landrätin Rita Röhrl, Minister a. D. Helmut Brunner, MdB Alois Rainer und MdL Max Gibis.


PNP 27.07.2019
Zu viel Respekt vor dem Hirschen

Im Pichelsteiner-Zug rollten Personen der Geschichte durch die Stadt – zum Spiel von zehn Kapellen

Regen. Bräu Sepp Falter hat Wort gehalten: Für das letzte Pichelsteinerfest-Anzapfen von Bürgermeisterin Ilse Oswald hatte er "etwas Besonderes" angekündigt. Es war besonders groß, das Fass, das da vor der Schänke stand, ein Hirsch, Inhalt 210 Liter Festbier, zwei Stunden vor dem Anzapfen befüllt und mit dem Gabelstapler an den Ort des Zeremoniells gebracht.
"Es war wohl die Psyche", meinte die Bürgermeisterin nach dem Anzapfen. Hatte ihr der große Banzen zu viel Respekt eingeflößt, so dass der erste Schlag nicht mit der gewohnten Vehemenz kam? Und sie war schreckensstarr angesichts des aus dem Fass spritzenden Bieres, so dauerte es eine oder zwei Schrecksekunden lang, bis der zweite und – assistiert von Sepp Falter – der dritte und rettende Schlag folgte, der den Wechsel schließlich sicher ins Spundloch trieb.

"Gut für die Haare", meinte Ilse Oswald angesichts der kleinen Bierdusche. Vorsichtshalber hatte sie sogar ein Handtuch zum Anzapfen mitgebracht. Abgesehen von dem kleinen und durchaus spaßigen Malheur war es ein Pichelsteinerauftakt nach Maß. Punkt 16 Uhr gab Max Pletl von den Pichelsteinern der Neuen Stadtkapelle Regen das Start-Signal. Sie marschierte und musizierte an der Spitze des langen Zugs, dahinter das Brauereigespann mit Thomas Falter an den Zügeln, gefolgt von der großen Bedienungsmannschaft und Fesbräu Sepp Falter. Spielmannszug, Stadtrat und Pichelsteinerkomitee, Schützen, Fischer, Burgfreunde, Moizerlitzer Eisschützen, eine Delegation aus der Partnerstadt Eschwege folgten. Christine Limböck, Christine Arend und Diana Arz hatten die Köchekinder gut vorbereitete, so dass das "Pichelsteiner – es lebe hoch!" laut über den Stadtplatz hallte.

Bestens gefüllt war kurz nach dem Anzapfen schon der Biergarten im Brauerei-Innenhof, der in diesem Jahr deutlich größer geworden ist, auch die Fläche des abgerissenen Eiskellers konnte jetzt mit Biertisch-Garnituren – schön auf einem Holzboden – ausgestattet werden.
Heute Abend erlebt das Pichelsteinerfest mit der Gondelfahrt auf dem Regenfluss seinen ersten Höhepunkt.


PNP 26.07.2019
Heißes Gebläse

Bestens besuchte Pichelsteiner-Serenade des Blasorchesters der Stadt Regen

Regen. Ein guter Vorsitzender packt an – in diesem Sinne agierte gestern Abend Florian Senninger, Vorsitzender des Blasorchesters der Stadt Regen. Er holte Stuhl-Stapel um Stuhl-Stapel für die vielen Besucher. "So viele waren es noch nie", meinte auch eine staunende Bürgermeisterin Ilse Oswald.
Seit fast 25 Jahren gestaltet das Ensemble das Vorabend-Konzert zum großen Regener Heimatfest. Die brütende Hitze des Nachmittags war am Abend einer angenehmen Wärme gewichen, nur die Musiker im Pavillon mussten schon noch ein bisschen schwitzen, ebenso wie die Bedienungen.

Unter den Gästen konnte Bürgermeisterin Ilse Oswald auch Pichelsteiner-Präsident Walter Fritz und den Ehrenpräsidenten Karlheinz Stern begrüßen, dazu auch schon die ersten Delegationen aus der Regener Partnerstadt Eschwege. Und dann galt es, sich ganz dem Genuss der Musik hinzugeben.


PNP 23.07.2019
Pichelsteinerfest: Hinter den Kulissen

Großes Aufbauen auf den Pichelsteinerfest-Plätzen – Festbeginn am Freitag

Regen. Der Platz ist über und über mit Lkws und Wohnwägen zugestellt. Die meisten Buden sind noch verschlossen, lediglich die bunten Bilder und die farbenfrohen Leuchten verraten, was sich darin verbirgt: Schießstand, Kassenhäusschen, Zuckerwatte und Schokospieße. Aus jeder Richtung knattern die Motoren von ankommenden Schaustellern, darunter mischt sich das Geräusch von klingelnden Handys und Metallstangen, die aneinanderstoßen.

Noch herrscht etwas Chaos auf dem Falterplatz und dem Platz vor der Tierzuchthalle, der Aufbau für das Pichelsteinerfest ist bereits in vollem Gange. Auf dem ganzen Platz leuchten die bunten Teile der Fahrgeschäfte, Männer schleppen schwere Bodenplatten über den Platz.

Einer davon ist Franz Felber aus Reisbach. Auf seinem Anhänger sind knallbunte Waggons gestapelt, in die man sich setzen kann. Ein Dalmatiner, ein Zauberer, Donald Duck und ein quietschgrüner Drachen mit orangenen Sitzplätzen. Felber kennt das Pichelsteinerfest schon, seit er ein kleiner Bub war. "Mit vier Jahren bin ich das erste Mal hier gewesen", erzählt er. Er kommt aus einer Schaustellerfamilie, ist mittlerweile schon die vierte Generation, die mit Fahrgeschäften von Fest zu Fest zieht. Sein Gefährt ist ein Kinderhochfahrgeschäft, um es aufzubauen braucht er mit seinen Helfern um die vier Stunden. Dass er damit schon am Anfang der Woche beginnt, macht aber Sinn. "Die nächsten Tage müssen wir noch alles saubermachen, die Lichter aufbauen und für Strom sorgen", erklärt er.

Franz Felber mag das Schaustellerleben. Damit ist er aufgewachsen, er kennt es gar nicht anders. "Jede Woche ist man wo anders, überall sind nette Leute. Und meistens ist gute Stimmung", sagt er zufrieden. "Außer die Leute sind zu besoffen, dann gibt‘s hin und wieder Pöbeleien."

Nach Regen zum Pichelsteinerfest kommt er gern. In den sechs Tagen Festbetrieb macht er in der Regel einen ganz passablen Umsatz. "Und außerdem ist der Platzmeister super nett."

Insgesamt 50 Buden gibt es dieses Jahr auf dem Regener Traditionsfest, darunter Speise- und Getränkehütten und Fahrgeschäfte. Am Montagmittag sind bereits 80 Prozent davon in Regen angekommen und haben mit dem Aufbau begonnen. "Der letzte kommt am Mittwoch", erzählt Platzmeister Alois Kreuzer. Mit seinem schwarz-roten Mofa und einem braunen Strohhut auf dem Kopf düst er über den Platz und behält so den Überblick. Immer wieder klingelt sein Handy – mal ruft ein neu eingetroffener Schausteller an, mal wird er zu einem Aufbau gerufen.

Beim Pichelsteiner wirkt er schon seit 40 Jahren mit. "Am Anfang hab ich Brezen verkauft, bei den Gondlern war ich auch mal", erzählt Kreuzer. Seit drei Jahren kümmert er sich nun als Platzmeister um die Platzeinteilung beim Fest. Neben den Fahrgeschäften muss er auch noch die rund 100 Wohnwägen der Schaustellerfamilien auf dem Gelände unterbringen. "Da geht es um jeden Meter", erklärt Kreuzer. Mit der Planung hat er bereits letztes Jahr im September angefangen. Wasser, Strom, Abwasser – Kreuzers Aufgabengebiet ist weit. Bis zum Festbeginn am Freitag ist noch einiges zu erledigen.

Viel Arbeit hat auch Schausteller Roland Sonntag noch vor sich. Neben seinen beiden Fahrgeschäften "Supergaudi" und "Breakdancer" hat er dieses Jahr zusätzlich noch etwas ganz Neues mitgebracht: ein "9-D-Kino, mit Spezialeffekten", sagt er, "mit Wasser, Seifenblasen, Blitzen und so weiter." 24 Zuschauer pro Vorstellung können sich einen der 50 mehrdimensionalen Filme anschauen. "Von Weltall, Achterbahn, Verfolgungen bis zu Horror ist alles dabei. " Sechs Monate lang hat er das Kino mit einer Spezial-Firma geplant, seit April ist es nun im Einsatz.

"Man muss mit der Zeit gehen", sagt Sonntag. Heute sei alles hektischer als früher, man müsse schneller auf- und abbauen, immer modern und interessant sein. Und er muss es wissen, denn schon sein Urgroßvater war Schausteller auf Volksfesten, dann sein Großvater und sein Vater. Mittlerweile gibt es mit Roland Sonntags Enkeln sechs Generationen in der Schaustellerfamilie. Ein mittleres Riesenrad hatten die Sonntags schon, einen Kettenflieger, eine Berg- und Talbahn – und nun eben auch ein kleines, transportables Kino.

Ab Freitag können sich die Regener selbst von den vielen Fahrgeschäften und Leckereien auf dem Festplatz überzeugen. Und was fehlt noch für das traditionelle Pichelsteiner? Die Mass Bier, natürlich! Aber auch daran wird bereits gearbeitet: die Brauerei Falter ist ebenfalls schon fleißig dabei, die Festhallen für das Pichelsteiner vorzubereiten.


PNP 18.07.2019
Die Gondelfahrt-Macher in schwerer See

Wegen Erkrankung von Gondler-Chef Stoletzky gibt es in diesem Jahr bei der Pichelsteiner-Gondelfahrt ein "Best-of-Programm" der vergangenen Jahre

Regen. Die Gondler des Pichelsteinerfests wären nicht die Gondler, wenn sie nicht eines könnten: improvisieren. Und das war in diesem Jahr nötig, denn es ist das passiert, was man sich als Pichelsteiner nicht vorstellen mag. Edwin Stoletzky, Kopf und Gestalter der Gondeltruppe, Ideengeber und versierter Kunsthandwerker, erkrankte schwer, fiel über Wochen aus. Jetzt sitzt Stoletzky wieder in Oleumhütte neben der Halle der Gondler. "Des geht scho wieder", sagt er, den die Krankheit einige Kilo gekostet hat, und zeichnet weiter an den Umrissen eines Windjammers, die ein Schild aus Styropor schmückt. Aus der Not haben die Gondler eine Tugend gemacht, haben die besten Motive der vergangenen Jahre aus dem Depot geholt, haben sie überarbeitet – und präsentieren am Pichelsteinersamstag eine Art "Best-of-Programm" der vergangenen Gondelfahrt-Jahre.

Das Ruder übernommen hat bei der Vorbereitung Alexander Sommer. Halle auf- und umräumen, verschlissene Aufbauten entsorgen, Modelle auf Vordermann bringen, bröseliges Styropor ersetzen... Und wie richtige Sanierungsarbeiten laufen können, das kann sich die Marine der Bundeswehr bei den Pichelsteiner-Gondlern abschauen. Das marode Segelschulschiff der Marine, die Gorch Fock, wird bei der Gondelfahrt auch dabei sein. Strahlend weiß und richtig aufgetakelt von der Gondler-Mannschaft. Einem Ritterschlag gleich kommt die Bemerkung von Manfred Homolka, dem Chef der Festzug-Macher, der über Sommer sagt: "Der hat sich richtig reingehängt, Respekt."

"Mitte Mai ist die Entscheidung gefallen, dass wir in diesem Jahr keine neuen Aufbauten machen", erzählt Sommer von den nicht so leichten Wochen der Gondler. "Romantische Gondeln zum 145. Fest" haben sie die Fahrt der bunten Wassergefährte überschrieben.

Überhaupt ist die Gondelfahrt in diesem Jahr etwas anders als in den anderen Jahren. Wegen der großen Kanalbaustelle in der Ruselstraße ist auf dieser Uferseite des Regenflusses kein Platz für Zuschauer, sie werden sich auf der Seite der Regenpromenade drängen. Der Lautsprecherwagen für die Moderation der Gondelfahrt wird auf Höhe der Tankstelle in der Ruselstraße platziert, bewährter Sprecher ist wieder Komitee-Mitglied Günther Arend, die Musikauswahl erledigt Roland Pongratz.


PNP 17.07.2019
Die Arbeit mit Zug-Kraft

Pichelsteiner widmen den Festzug "Persönlichkeiten unserer Heimat"

Regen. Angst, dass ihm mal nichts mehr einfallen könnte? Nein, die hat Manfred Homolka nicht. Auch nicht nach 45 Jahren, in denen er Jahr für Jahr den Pichelsteiner-Festzug gestaltet. "Persönlichkeiten unserer Heimat" hat er sich in diesem Jahr als Thema ausgedacht, hat es im Pichelsteinerkomitee vorgeschlagen. "Wir waren einverstanden", sagt Pichelsteiner-Präsident Walter Fritz. Und so werden beim Festzug zwölf Wägen mit großen Porträts durch Regen rollen. Bekannte Regener wie den Dichter Siegfried von Vegesack oder die Krippenmutter Maria Pscheidl-Krystek; Regener, die man nicht vergessen sollte, wie der verstorbene Altbürgermeister Alois Reitbauer oder der Musikant Anton Lingl, der das Regener Heimatlied geschrieben hat.

Eines haben die Porträtierten gemeinsam: alle sind schon verstorben. Und bei einigen, so wie beim ersten Regener Bundeswehr-Kommandeur, Oberstleutnant Josef Heichele, war es gar nicht einfach, ein gutes Porträt zu finden, nach dem Homolka das große Bild für den Wagen gestalten konnte.

Die Arbeitsteilung haben die Festzugmacher schon perfektioniert. Homolka gestaltet, malt, schneidet virtuos Figuren und Deko-Elemente aus Styropor aus, seine Mitarbeiter bauen zusammen, bohren, sägen, schrauben, auf dass die Aufbauten auch einen bewegten Umzug aushalten. "Guad is ganga", sagen Max Pletl, Alois Kraus, Erwin Ertl, Diana Arz und Franziska Ulrich zu der Arbeit der vergangenen Wochen. "Mia kannt’ma losfahren", meint Pletl, wird aber gleich von Franziska Ulrich gebremst. Sie hat entdeckt, das bei einem Wagen noch die Girlanden fehlen. Das muss sofort nachgebessert werden.

Bei einem Wagen hatte Homolka leichte Bedenken, er zeigt einen Regener Pädagogen, an den manche Regener vielleicht nicht so gute Erinnerungen haben. "Glernt hod ma wos, aber Schläg hods a grod gnua gebn", erzählt Homolka, was über den Porträtierten erzählt worden ist. Homolka kann es aus eigener Erfahrung bestätigen.

Wer unbedingt mit auf einen Wagen musste, das waren die Wirtin Auguste Winkler, die Erfinderin des Pichelsteiner-Eintopfs, und der Bräu Johann Baptist Falter, der in den 1930er Jahren das Pichelsteinerfest so aufgestellt hat, wie man es heute noch kennt. Girlanden aus Hopfendolden schmücken den Wagen, wie es sich gehört für einen Brauer. Als Homolka hörte, was die (künstlichen) Dolden, die wie echt aussehen, kosten, blieb ihm erst mal die Luft weg. Es war dann der Enkel des Johann Baptist Falter, Festbräu Sepp Falter, der diesen Schmuck mit einer Spende ermöglichte. "Mei Opa is ma des Wert", meinte Sepp Falter dazu.

Neben den zwölf Mottowägen sind beim Pichelsteiner-Festzug 13 weitere Wägen, drei Kutschen, 35 Fußgruppen, zwei Spielmannszüge und acht Blaskapellen dabei.


PNP 16.07.2019
Pichelsteiner ehren ihre Dauerbrenner

Ein halbes Jahrhundert für das Heimatfest

Regen. Ein halbes Jahrhundert ist Karlheinz Stern jetzt Mitglied im Komitee der Pichelsteiner, dafür gab es in der letzten Sitzung vor dem großen Fest eine Ehrung. Stern ist mit Abstand der dienstälteste Pichelsteiner, wie Präsident Walter Fritz in seiner Laudatio hervorhob. Dabei war Stern über viele Jahre auch Präsident des Komitees, von 1990 bis 2005, dann nochmals von 2006 bis 2009, und bis heute ist Karlheinz Stern mit seinem ausgleichenden Wesen und seiner ruhigen Art ein wertvoller Mitarbeiter bei den Pichelsteinern.

Fast ebenso lange wie Stern ist das zweite Urgestein der Pichelsteiner schon dabei, Max Pletl, seit 1971 Mitglied im Komitee. Aber schon seit 50 Jahren kümmert sich Pletl, der seit 2014 Ehrenmitglied bei den Pichelsteinern ist, schon darum, dass beim Festzug alles seine Ordnung hat und dass beim Ausmarsch am Freitag und am Montag der Zeitplan und die Zugreihenfolge eingehalten werden. Bereits 1957 war Pletl, damals noch als zwölfjähriger Bub, erstmals beim Pichelsteiner-Festzug dabei.