Das
Fest in Regen aber, das sich betont "Pichelsteinerfest" bezeichnet, geht
zurück auf das Jahr 1874, wie die sorgfältig geführte Festchronik
beweist, die im Gründungsjahr angelegt worden ist und zuverlässigen
Aufschluß über den jeweiligen Verlauf des Festes gibt. 1874 taten
sich vier Regener Bürger zusammen, um anläßlich der Ende
Juli gefeierten Kirchweih in feuchtfröhlicher, kleiner Runde ihr Büchelsteinerfleisch
zu verzehren. Es war jeweils ein festlich ausgestalteter "blauer Montag".
Die Begründer des Festes waren der Bürstenmacher Josef Hüttinger,
der Zeugenschmied Xaver Sedlmayer, der Bäckermeister Peter Biller und
der Gastwirt und Holzhändler Michael Loibl. Eine kleine Musikkapelle,
bestehend aus vier Harfenisten, "zwei Manndl und zwei Weibl", wie es in
der Festchronik heißt, haben die gute Stimmung, als man anno 1874
erstmals im Festlokal des Hofwirtes saß. Es muss urgemütlich
gewesen sein, denn man hatte eigenes ein in Lederband, mit Gold-Widmungsdruck
versehenes Buch, das "Grundbuch für die Gesellschaft Büchelsteiner
Regen", wie es der Aufdruck nennt, angelegt. In dieser Chronik der Pichelsteiner
wurde jedes Jahr in Poesie und Prosa getreulich berichtet über Anzahl
und Teilnehmer und Gelingen des Festes.
Nun wurde diese "kreuzfidele" Veranstaltung Jahr für
Jahr am Kirchweihmontag wiederholt und mit der Zeit zur feststehenden Einrichtung
im Festkalender des damaligen Marktes Regen. Das "Fest der Gemütlichkeit"
zog alljährlich weitere Kreise, wie die in der Chronik jeweils genau
angegebenen Teilnehmerzahlen beweisen. 1894 verlegte man das Fest, das von
Anfang an "Pichelsteiner-Fest" hieß, zu dem Bierbrauer Michl Raith
"unter Arrangement der Burschenschaft Regen". Es fand immer mehr Anklang,
auch bei den Sommergästen, die vor der Jahrhundertwende schon gerne
in Regen Erholung suchten.

Anfang dieses Jahrhunderts nahm an diesem Feste auch
ein junger Münchner Künstler teil, der öfters seinen Urlaub
in Regen verbrachte, der später berühmt gewordene Kunstmaler Albert
Weisgerber (geboren 1878 zu St. Ingbert, gefallen vor Ypern 1915). Er galt
als einer der hoffnungsvollen Maler der neueren Münchener Kunst. Im
Sommer 1902 stiftete A. Weisgerber für die Pichelsteinerchronik drei
Zeichnungen, darunter die Bildnisse des Mitbegründers des Pichelsteinerfestes
Josef Hüttinger und des damaligen Vorstands Georg Buchner. Es dürfte
nur wenigen Kunst- und Heimatfreunden bekannt sein, dass Regens Festchronik
kostbare Originale des unvergessenen Münchner Malers Albert Weisgerber
verwahrt.
Wenn man heute dieses "Grundbuch" der Pichelsteiner
durchblättert und außer den genannten wertvollen Zeichnungen
auch die vielen guten Beiträge des heimischen Künstlers Fritz
Biller betrachtet und ferner die Namen vorausgegangener Generationen mit
den oft trefflichen Versen liest, überkommt einen stille Sehnsucht
nach der "guten alten Zeit". Trotz Sorgen und Widerwärtigkeiten ließen
sich die Bürger alten Schlages nicht unterkriegen, getreu dem Motto
im Grundbuch: "Wo man Bier trinkt, kannst du ruhig lachen; böse Menschen
trinken schärfere Sachen.
Das
Fest weitete sich aus
Im
Laufe der Jahre wurde das Pichelsteinerfest immer mehr ausgeweitet. 1904
sind erstmals ein Fest- und ein Bierredner verzeichnet. 1905 werden auch
fünf "Bestgeber" aufgeführt, von denen jeder eine größere
Menge Bier stiftete. Vom Jahre 1912 an trat eine längere Unterbrechung
ein. Nahezu zwei Jahrzehnte schwieg die Chronik. Der erste Weltkrieg,
die Inflation und die Entbehrungen der Nachkriegszeit und die Regener
Kirchweih "zu einem Fremdenfest auszugestalten". Es wurde nun vom Volksfest
größeren Stils ausgebaut, in dessen Mittelpunkt nunmehr ein
Festzug und die feierliche Austeilung des Pichelsteineressens traten.
Die Wiederholung verdankt man in erster Linie Kaufmann Josef Biller (im
Oktober 1967 92-jährig gestorben) und Alterspräsident Josef
Fischer. 1931 war das Fest mit einer Neunhundertjahrfeier Regens verbunden.
Nun setzte auch eine gezielte Werbung durch Plakate, Inserate, Festpostkarten
und sogar durch eigene Siegelmarken ein. Als am 1. Januar 1932 der bisherige
Markt Regen zur Stadt erhoben wurde, ergab sich der Anlass, das Fest noch
zugkräftiger auszugestalten.
Massenbesuch
und meist gutes Wetter
Das
Pichelsteinerfest beginnt am Freitag vor dem 1. Sonntag nach Jakobi (Jakobi:
25.Juli) und dauert 6 Tage und sieht seit vielen Jahren eine unveränderte
Festfolge vor: Samstagabend Gondelfahrt und Wasserspiele vor der Kulisse
der illuminierten Stadt; Sonntagnachmittag Festzug oder Fahrzeugkorso
(jährlich wechselnd); Montag "Tag des Handwerkers" mit Handwerkkundgebung
am Vormittag und Picheslteinerschmaus am Mittag; Dienstag "Tag der Landwirtschaft"
mit nachmittägiger Kundgebung; Mittwoch Altenbewirtung und Kinderbetreuung,
Festausklang mit Feuerwerk. In der massiven Festhalle (1961 anstelle einer
Holzhalle erbaut), in der Bayerwald Tierzuchthalle, im Festcafe und im
Tanzsaal finden nahezu 5000 Personen Platz. Vier Musikkapellen spielen
auf, und die Festfreude kennt keine Grenzen
Während der sechs Festtage herrscht fast immer
schönes Wetter, auch wenn vor und nach dem Fest die Witterung noch
so unfreundlich sein mag. Man spricht deshalb vom Pichelsteinerwetter.
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